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Financluster Frankfurt

Eine Clusteranalyse am Finanzmarkt Frankfurt/Rhein-Main.


Year of publication: 2007, first edition
Publisher: Books on Demand, Norderstedt
Authors: Prof. Dr. Wolfgang König, Prof. Dr. Eike W. Schamp, Dr. Roman Beck, Michael Handke, Jens Vykoukal, Michael Prifling, Stephan H. Späthe
ISBN-13: 978-3-8334-9387-4

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Management Summary

Das Cluster-Konzept hebt die Vorteilhaftigkeit des lokalen Umfeldes für die Produktivität, Innovativität und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen hervor. Cluster sind ein lokales System von konkurrierenden und verbundenen Unter­nehmen und anderen Organisationen, in dem räumliche Nähe die Voraussetzungen für Information, Gemeinsamkeiten und Kooperation bewirken kann. In ihrer verti­kalen Organisation umfassen Cluster die Unternehmen einer Kernbranche sowie verbundene Unternehmen anderer Branchen. Das Konzept steht damit "quer" zur amtlichen Datenlage.

Ziel der Finanzclusterstudie Frankfurt war es,

  • das Feld der "verbundenen Unternehmen" und unterstützenden Infrastrukturen für die Unternehmen des Finanzsektors in der Region zu analysieren,

  • die Bedeutung der räumlichen Nähe für die Funktionsfähigkeit des Clusters zu prüfen,

  • anhand von fünf ausgewählten Wertschöpfungsnetzen, die für das Cluster von besonderer Bedeutung sind, Schwächen des Clusters zu erkennen,

  • sowie Potenziale in den Bereichen, die mit dem Finanzsektor verbunden sind, zu identifizieren,

  • und schließlich daraus Handlungsempfehlungen für die regionale Wirtschaftsförderung abzuleiten.

Zur Erfüllung dieser Ziele war es notwendig, das Konzept des Clusters an den Un-tersuchungsgegenstand "Finanzsektor" anzupassen. Anders als in den bisher unter-suchten regionalen Systemen der Warenproduktion ist die Wertschöpfungstiefe im Finanzsektor noch sehr hoch, daher die Zahl und Reichweite der "verbundenen Un-ternehmen" geringer und die Art der Vernetzung heterogener. Die aktuellen Ten-denzen der "Industrialisierung" des Finanzsektors lassen aber eine zunehmende Kongruenz erwarten. Zum besseren Verständnis der Leistungserstellung im hetero-genen Finanzsektor und ihrer Lokalisierung in einem Cluster wurde das Konzept der Wertschöpfungsnetze verwendet, das einen detaillierten Einblick in die Phasen eines Wertschöpfungsprozesses und die beteiligten Akteure liefert. Es ist bemerkenswert, dass dieses Konzept hier zum ersten Mal vertieft für den Finanzsektor angewendet wird.

In der Ausführung der Studie wurden verschiedene Verfahren der empirischen Erhebung im Sinne einer "Triangulation" verschiedener Datenbestände benutzt. Die konzeptionellen Grundstrukturen wurden durch Literaturstudium, Expertengespräche und eine Vergleichsanalyse zu anderen wichtigen europäischen Finanzplätzen gelegt. Durchführung und Auswertung von 30 Intensiv-Interviews mit hochrangigen Partnern aus dem Finanzsektor und verbundenen Dienstleistungsbranchen sind die eigentliche Basis der Studie. In diesen und anderen Gesprächen wurden fünf Wertschöpfungsnetze herausgearbeitet. Eine umfangreiche Online-Befragung sichert die Ergebnisse aus den Gesprächen ab. Die Verwendung von Sekundärdaten unterstützt schließlich die regionale Analyse.

Das Finanzcluster Frankfurt hat die folgenden strukturellen Eigenschaften:

  • es besteht eine positive Pfadabhängigkeit als führender Bankenplatz in Deutschland aufgrund der vorhandenen Headquarter-Funktionen, durch die auch andere Unternehmensfunktionen an den Standort gebunden werden,

  • die anhaltende Verringerung der Wertschöpfungstiefe in Banken führt zur Auslagerung und Neuschöpfung von Prozessen, wobei besonders standardisierte Prozesse standortunabhängig werden,

  • zugleich werden zunehmend Geschäftsprozesse auf Nicht-Banken und finanznahe, wissensbasierte Dienstleister verlagert, jedoch weniger in der Form klassischer Zulieferung als vielmehr im Sinne einer horizontalen, "kooperativen" Vernetzung,

  • das hat ein anhaltendes Wachstum dieser beiden Sektoren und eine zunehmende Heterogenität des Finanzsektors im Ganzen mit teils anderen Standortanforderungen zur Folge.

Die Vorteile dieses Clusters liegen in "harten" Faktoren wie

  • die Vielseitigkeit der vorhandenen Branchen, die projektbasierte Wertschöpfung erleichtert – "Heterogenität fördert",

  • ein exzellentes Umfeld von urbanen Dienstleistungen allgemeiner Art,

  • eine relativ geringe Größe im Vergleich zu London oder Paris, die kurze Wege innerhalb der Stadt ("räumliche Nähe") sowie zum Flughafen als dem wichtigsten Faktor der internationalen Erreichbarkeit des Clusters ermöglicht.

Demgegenüber liegen die Schwächen des Clusters vermehrt in "weichen" Faktoren wie

  • eine fehlende gemeinsame Vision des Finanzclusters, die nach innen eine Identifizierung mit dem Finanzcluster und nach außen eine bessere Präsenz des Clusters bei Ansiedlungsfragen und Lobby-Arbeit ermöglicht,

  • eine ausbaufähige Stärkung und Wahrnehmung von Frankfurt als Wohn- und Lebensmittelpunkt der "High Potentials" im Finanzsektor, was die Vernetzung, die Identifizierung und letztlich die Attraktivität der Stadt und des Finanzclusters für internationale Fachkräfte fördern sollte,

  • eine noch zu stärkende Forschungs- und Lehrinfrastruktur an und mit den Hochschulen, um die Langfristigkeit und Innovativität des Clusters durch qualifizierten Nachwuchs und zielgerichtete Forschung zu fördern.

 

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