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Kreditprozess-Management

Eine Analyse zu Optimierungspotenzialen bei Deutschlands 500 größten Kreditinstituten

Year of publication: 2005, first edition
Publisher: Books on Demand GmbH
Authors: Prof. Dr. Wolfgang König, Prof. Dr. Mark Wahrenburg
Jun.-Prof. Dr. Andreas Hackethal, Dr. Tim Weitzel
Daniel Beimborn, Jochen Franke, Tom Gellrich,
Markus Holzhäuser, Felix Schwarze
ISBN-10: 3833431598
ISBN-13: 978-3833431593

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Management Summary

Die Befragung des E-Finance Lab der größten 519 deutschen Banken und Sparkassen zum Kreditgeschäft mit mittelständischen Unternehmen (KMU) (Rücklaufquote 24,9%) zeigt, dass über die Hälfte mit den eigenen Kreditprozessen und der Zinsmarge nicht zufrieden ist. Die deutschen Banken erwirtschaften mit 58% der KMUKunden einen Gewinn nach Risiko- und Eigenkapitalkosten und erzielen im Durchschnitt Zinsmargen zwischen 1,0% und 1,5%. Ein Drittel kennt den Anteil der gewinnbringenden Kundenbeziehungen nicht. Diese Studie identifiziert Optimierungspotenziale sowohl auf der Ertrags- als auch der Kostenseite.

Prozessorientierung und Outsourcing

Spezialisierung: Im Rahmen der erwarteten Segmentierung der Bankenlandschaft möchten sich 9 von 10 Banken auf den Vertrieb spezialisieren. Allerdings ist die Bereitschaft zum Fremdbezug von Leistungen gering, und nur gut 40% können sich mittelfristig eine Zusammenarbeit mit einer Kreditfabrik vorstellen.

Heterogene IT-Infrastruktur: Es werden vorwiegend mehrere Anwendungssysteme eingesetzt, die nur selten integriert sind und meist proprietäre Datenformate verwenden; nur 7% wickeln den gesamten Kreditprozess durch ein einziges System ab. Elektronische Kreditakten finden sich nur bei 22%, wobei Privatbanken hier recht deutlich führen. Eine Verbesserung des Gesamtprozesses kann insbesondere durch eine nahtlose Integration der Teilprozesse durch standardisierte Schnittstellen und die hierdurch mögliche Automatisierung und Reduktion von Medienbrüchen erfolgen. Es zeigt sich auch, dass eine bessere Dokumentation zu einer höheren Zufriedenheit der Prozessverantwortlichen führt.

Buisness-Process-Outsourcing (BPO): Es besteht hohe Einigkeit, dass BPO im Kreditbereich zu einer Kostenreduktion (81%) und - variabilisierung (80%) führen kann. Als Bedingung für ein Outsourcing werden Mindesteinsparungen der operationalen Kosten von durchschnittlich 31% genannt. Die Hauptrisiken des Outsourcing werden vor allem in möglicher wirtschaftlicher Abhängigkeit und einem Kontrollverlust (jeweils 60%) sowie in Schwierigkeiten, hinreichend aussagekräftige Service Level Agreements (SLA) zu entwerfen (36%), gesehen.
Outsourcing wird als wichtiger Trend gesehen, aktuell indes zurückhaltend betrieben. Insgesamt haben derzeit nur 14% der antwortenden Banken Teile ihres Kreditprozesses outgesourct. Als kommerzielle Insourcer treten 6% der befragten Banken auf. Eine Betrachtung nach Banktyp zeigt, dass schon 46% der Privatbanken BPOOptionen bewertet haben, gegenüber 31% der Genossenschaftsbanken und nur 22% der Landesbanken/Sparkassen.

Die Teilprozesse des KMU-Kreditprozesses

Vertrieb: Vertriebsmitarbeiter verbringen weniger als die Hälfte Ihrer Arbeitszeit mit Kunden. Da sie bei der Mehrheit der Institute verschiedene Produkte der Bank und nicht nur Kredite vertreiben, können Cross-Selling-Möglichkeiten besser ausgenutzt werden, indem Vertriebsmitarbeiter von sachbearbeitenden Aufgaben und der Kreditüberwachung befreit werden.

Kreditentscheidung: Bei 47% wird der Rating-Prozess vollautomatisch abgewickelt. Dabei greifen nur 2% der Banken auf externe Dienstleister zurück. Hier liegen weitere Spielräume zur Modifizierung der Kreditwertschöpfungskette. Eine verstärkte Automatisierung der Rating-Erstellung kann zum einen zu kürzeren Prozesslaufzeiten führen und zum anderen positive Einflüsse auf die Gesamtprofitabilität haben.

Bearbeitung/Servicing: Die Organisation innerhalb der Sachbearbeitung ist heterogen und nicht branchenweit standardisiert. So müssen bei gut der Hälfte der befragten Institute noch Daten manuell erfasst werden, da diese nicht aus vorherigen Prozessschritten übernommen werden können. Im Durchschnitt wird eine mögliche Verkürzung des Prozesses und damit bislang ungenutztes Optimierungspotenzial von 4,5 Tagen gesehen.

Risikomanagement und Workout: Lediglich jedes fünfte Institut ist in der Lage, die Kosten einer Intensivbetreuung abzuschätzen. Nur 10% der Banken (insbesondere Privatbanken) schätzen die Erfolgswahrscheinlichkeit des Workout mittels statistischer Modelle. Es ist zu erwarten, dass durch genauere Kenntnisse der Kosten des Teilprozesses sowie der wichtigsten Parameter für eine Workout-Entscheidung die Verluste bei einem Ausfall gesenkt werden können.

Zukunft des Kreditgeschäfts

Es zeigt sich, dass langsam ein industrielles Prozessverständnis in der Bankenwelt Einzug hält, wonach Prozesse modularisiert und darauf aufbauend optimale Bezugsformen für die resultierenden Teilprozesse identifiziert werden. Beliebte "neue" Geschäftsmodelle sind sowohl das gemeinsame Outsourcing von Servicing und Workout (16%) als auch komplementär dazu das kommerzielle Insourcing dieser beiden Teilprozesse (9%).

Der folgende Abschnitt bietet einen genaueren Überblick über die Ergebnisse der Studie. Bei Fragen oder Anregungen freuen wir uns auf ihre Rückmeldung unter kreditprozess[at]efinancelab[dot]com.

 

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